McDonalds in Markdorf

Die kleine Stadt Markdorf hat Großes vor. Am 23. März soll im örtlichen Gemeinderat darüber entschieden werden, ob der Franchisenehmer des McDonalds-Restaurants in Überlingen, Manfred Heck,  eine weitere Filiale des Fastfood-Unternehmens im Gewerbegebiet Riedwiesen der Stadt eröffnen darf.
Und so fragen sich viele, warum denn eigentlich nicht?
Die Sorge der Eltern, deren Kinder das nahegelegene Bildungszentrum besuchen und auch die der Rektoren, die Schüler würden sich durch das Angebot des weltweit größten Fastfood-Anbieters ungesund ernähren und die Heraufbeschwörung möglicher negativer Folgen und Konsequenzen dieses fehlgeleiteten Lebensstils seien völlig unbegründet. Schließlich gebe es doch ein breites Angebot, welches sowohl Salat als auch Obst beinhalte und keiner werde gezwungen, sich von Hamburgern, Pommes und Cola zu ernähren. Ebenso gewährt McDonalds doch gerade in einer so wirtschaftsschwachen Zeit wie dieser mindestens 50 Arbeitnehmern eine mehr oder minder sichere Lebensgrundlage

Und der Vorwurf, McDonalds sei Müllproduzent Nummer 1, entstammt doch eh nur den Mündern abgedrehter Ökos und Vegetarier, für die Baumwollwindeln und das Abwaschen von Plastikbesteck auf der Tagesordnung stehen.
Das Fleisch in den Filialen, so zeigt es die Werbung, stammt von glücklichen Rindern aus den Bergen und so werden selbst die heimischen Bauernhöfe von den McDonalds-Unternehmen unterstützt. Was spricht denn nun also gegen die Einwilligung in eine Eröffnung einer neuen Filiale, die, so der Anschein, doch nur Vorteile mit sich bringen würde?

Dass eine auf Hamburger und Pommes ausgerichtete Ernährung nicht die Beste ist, ist hinlänglich bekannt. Dass sie mit die Ursache für Volkskrankheiten wie Adipositas (Fettsucht), sowie Herzleiden aller Art ist, wird dagegen weitestgehend verschwiegen.
Was die Konsequenzen für die Hauptzielgruppe des Fast-Food-Unternehmens, also der Kinder und Jugendlichen wären, sollte sich jeder ausmalen können und macht den Vorwurf der Eltern und Schuldirektoren weit weniger lapidar als sie der Großkonzern darstellen möchte.
Bewiesen ist längst, dass die zuckerreiche,vitamin- und ballaststoffarme Küche der McDonalds-Restaurants zu Hyperaktivität bei Kindern und zu psychischen Bewusstseinsänderungen, bis hin zu depressiven Verstimmungen selbst bei erwachsenen Personen führen kann.

Aber wenigstens ist McDonalds doch fairer Arbeitgeber – so stellt sich das Unternehmen zumindest betont häufig dar.
Nun, was in Wirklichkeit geschieht bleibt der Öffentlichkeit selbstverständlich verborgen, interessiert auch wenig, wenn es darum geht seinen Magen zu stopfen.
Der weltweit größte Fastfood Produzent bezahlt einen Hungerlohn an seine Arbeitnehmer, von Überstunden ganz zu schweigen, diese werden in der gängigen Praxis meist gar nicht bezahlt. Die Firma steht unter großem Druck, hohe Profite zu erwirtschaften und gleichzeitig die Personalkosten so gering wie möglich zu halten. Da verwundert es auch nicht, dass die Angestellten nie allzu lange bleiben dürfen, wäre eine Einmischung durch Gewerkschaft oder gar Betriebsrat, die sich so etablieren könnten, doch eher ungünstig und würde die Lohndrückerei sicherlich erschweren. Hinzu kommt, dass McDonalds das Spielzeug für seine “Happy Meals” von Arbeitern in China fertigen lässt, die – ohne soziales Netz oder Umweltschutzstandards – bis zu 15 Stunden täglich zu Hungerlöhnen und unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften müssen, nur damit McDonalds den kulturell dgenerierten Kindern des “reichen” Westens billigen Spielzeug-Ramsch zur Mahlzeit reichen kann.

Nun bleibt noch die Frage nach dem Umweltschutz, für den doch gerade im letzten halben Jahr im Zuge der verbreiteten Angst vor dem Klimawandel so viel Geld ausgegeben wurde.
Für Umweltaktivisten sind Fastfood-Ketten Müllschleudern. Bedenkt man, dass durch die Einwegverpackungen der McDonalds-Filialen allein in Deutschland jährlich Müllberge zwischen 10.000 und 20.000 Tonnen entstehen, kann einem Herabrelativieren dieser Problematik nur mit einem Kopfschütteln begegnet werden.
Beherzte McDonalds-Vertreter sehen sich jedoch weiter auf der sicheren Seite, kommt das Fleisch doch ihrem Beteuern nach aus umliegenden Bauernhöfen und hilft damit der Aufrechterhaltung der ohnehin schon angeschlagenen Landwirtschaft. Nun, wer das glaubt, der freut sich im April bestimmt auch auf den Osterhasen.

Die Realität sieht anders aus und stellt zudem das Unternehmen als gewissenlosen und profitgierigen Großkonzern an den Pranger, der Fleisch von Rindern bezieht, die auf gerodeten Gebieten des Regenwalds weiden und somit nicht nur nicht heimisch sind, sondern auch im Dienste der fleischbegeisterten Menschheit die Umwelt zerstören. Der Name McDonalds ist ein Sinnbild jener US-amerikanischen Massenkultur, die jegliche Bindung zur Natur und jede Verhältnismäßigkeit verloren hat, und die sich in unverantwortlicher Weise an Mensch, Tier und Natur versündigt, weil sie ungesunde Ernährung fördert, Massentierhaltung forciert und Lebensräume für Flora und Fauna irreparabel zerstört.

Wer kann da reinen Gewissens sein, wenn er behauptet, die Eröffnung einer weiteren Filiale dieses erbarmungslosen Konzerns, dessen Schöpfer selbst einst behauptete: „Das erste was du verkaufen mußt, bist du selbst!“ eine gute Idee wäre und nur von Vorteil für eine Stadt wie Markdorf und ihre Einwohner sein könnte?

Kommentar verfassen

Dein E-Mail wird nicht veröffentlicht oder weitergegeben. Pflichtfelder sind mit * markiert.